Dienstag, 23. Juli 2013

Telefónica/O2 kauft E-Plus: Erstmal Schulden senken

Wer einen Konkurrenten kaufen will, den Löwenanteil bar statt mit Aktien bezahlt und dadurch Schulden macht, den hab ich richtig gern.
Besonders, wenn man noch kurz vorher überlegt, einen Teil des eigenen Geschäfts von Telefónica Deutschland zu verkaufen und einen Teil an der Börse verkauft – eben um die Schulden von 58 Mrd. zu senken –, und eine Dividende auszahlt, die auch noch die Einnahmen durch den Börsengang von Telefónica Deutschland um mehr als das Doppelte übersteigt.

Zu einer nachhaltigen Geschäftspolitik gehört, dass man
  • die Schulden auf ein erträgliches Maß reduziert (hier: 20 Mrd.?), bis dahin sehr geringe oder gar keine Dividenden auszahlt,
  • bis dahin (große) Übernahmen von Konkurrenten deutlich mehrheitlich durch Ausgabe von neuen Aktien finanziert und
  • keine Teile des eigenen Geschäftes verkauft, nur um Schulden zu senken, wenn man seit längerer Zeit in Erwägung zieht, ein anderes Unternehmen zu übernehmen.
Mal davon abgesehen, dass das aus Sicht des Wettbewerbs bedenklich ist, weil dann nur noch 3 Mobilfunkanbieter existieren, wodurch die Konkurrenz weniger stark ist. Andererseits müssen natürlich E-Plus und O2 ihre Kosten reduzieren, um die Ertragssituation zu verbessern und auch qualitativ besser zu werden.
Preiserhöhungen wären aber auch ein Weg – im gesamten deutschen Mobilfunkmarkt, denn die Telekom und Vodafone haben ebenfalls hohe Schulden, und die Ertragssituation ist auch nicht berauschend, wenn auch die Dividenden hoch sind.

Montag, 22. April 2013

Weshalb die Datendrossel der Telekom teilweise richtig ist

Die Entscheidung der Telekom, ab einem bestimmten Datenvolumen eine Datendrossel einzuführen, halte ich teilweise für richtig.

Nutzer mit exzessiver Datennutzung verursachen hohe Kosten, denn ein hohes Datenvolumen aller Nutzer macht einen größeren Netzausbau erforderlich. Diese Kosten sollten von denen getragen werden, die sie verursachen, nicht von der gesamten Nutzerschaft. Das ist einfach nur fair und gerecht. Langfristig gehe ich davon aus, dass alle weiteren Provider nachziehen.
Die Telekom sollte aber auf keinen Fall ihre eigenen Video- oder Musikdienste wie das Entertain-Paket gegenüber denen anderer Anbieter bevorzugen. Das wäre ein elementarer Verstoß gegen die Netzneutralität und IMHO wettbewerbs- und damit rechtswidrig.

Soweit jetzt schon durch die Kooperation mit Spotify im Mobilfunk diese Daten nicht angerechnet werden, sollte diese Praxis unterbunden werden. Eine Wettbewerbswidrigkeit kann ich darin aber (leider) nicht erkennen, weil ja die anderen Musikanbieter ähnliche Kooperationen schließen können (wenn die Telekom das mitmacht).
Nur bei einer Bevorzugung von eigenen Diensten könnte das rechtlich kritisch sein, da es als eine Quersubventionierung der eigenen Dienste angesehen werden kann.

Sonntag, 10. März 2013

Homo-Ehe: Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen

FDP-Generalsekretär Patrick Döring droht der Union damit, im Bundestag mit der Opposition für die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe zu stimmen. Sicherlich, ein gewagtes Manöver, das dem Koalitionsbruch nahe kommt.
Aber was riskieren die Liberalen denn dabei? Nichts.
Denn: Es gibt im Bundestag keine Partei rechts der CDU/CSU, und keine andere Partei, die gegen die Gleichstellung ist. Die Union würde deshalb nur wenig Stimmen ihrer Anhänger verlieren, haben sie doch keine Wahlalternative – zudem sind auch die meisten von ihnen für mehr Rechte von Homosexuellen. Eine adäquate Alternative zu schwarz-gelb gibt es auch nicht.
Die FDP hätte ein Thema, um sich zu profilieren, wenn sie die Initiative ergriffe. Es könnte ihr die wenigen entscheidenden Stimmen der Nichtwähler und Unentschlossenen liefern, um es in den Bundestag schaffen, denn gesichert ist dies wahrlich nicht.
Und: Es ist nach 6 Entscheidungen, die in einer Linie stehen, nur eine Frage der Zeit, bis das Bundesverfassungsgericht auch die steuerliche Ungleichbehandlung für verfassungswidrig erklärt. Kommen wird die Gleichstellung zweifellos, die Frage ist nur wann – vor oder nach dem Urteil. Lässt sich die schwarz-gelbe Koalition weiter von Karlsruhe vor sich hertreiben, wird ihr dies nicht gut zu Gesicht stehen. Beschließt sie dagegen noch vor dem Urteil eine Änderung, kommt das der gesamten Koalition zu Gute. Macht die FDP einen Alleingang mit der Opposition, kann das ihr und damit der Regierung, deren Teil sie ist, zur Mehrheit verhelfen; beschließen beide Partner eine Modernisierung, bringt das beiden mehr Stimmen.
Doch womöglich hat sich Angela Merkel auf dem Parteitag nur dagegen ausgesprochen, um die Gegner zu besänftigen. Schaffen die FDP oder das Gericht Fakten, kann sie darauf verweisen, dass sie sich nicht gegen diese Zwänge stellen kann.
Sollte die Kanzlerin sich weiter dagegen stellen, wäre sie gut beraten, sich daran zu halten, was sie schon anderen geraten hat: "Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen. Da siegt zum Schluss immer die Wand."